Die Kreuzotter

Ein Artportrait von Klaus Volkmer

Die Kreuzotter (Vipera berus) gehört zur Familie der Vipern. Die einzige Giftschlange Niedersachsens ist eine der insgesamt drei Schlangenarten, die hier vorkommen. Kreuzottern werden oft mit anderen heimischen Schlangen verwechselt – meist mit der ebenfalls seltenen, ungiftigen Glatt- oder Schlingnatter (Coronella austriaca). Die Tiere sind jedoch meist gut zu unterscheiden.

Wichtige Merkmale

Wie bei allen europäischen Giftschlangen senkrecht stehende Schlitzpupillen, die kupferfarben bis dunkelrot sind,

  • ein vom Körper abgesetzter, gedrungener Kopf
  • gekielte Körperschuppen
  • ein Zickzackband auf dem Rücken( kann fehlen)

Die Kreuzotter zählt zu den am weitest verbreiteten Schlangen Europas. Ihr Areal reicht von England im Westen bis zur 11.000 km entfernten russischen Insel Sachalin im Osten. Im Norden dringt sie bis nach Lappland und Nordkarelien vor, im Süden erreicht sie Griechenland. Sie liebt ungestörte Lebensräume und sonnige Biotope wie Waldränder, Waldlichtungen, Bergwiesen, Moore, Heideflächen und Geröllflächen, auch in Höhenlagen bis zu 2500 Metern.

 

Ihre Grundfärbung ist extrem variabel. Generell dominieren bei den Männchen Grau- und bei den Weibchen Brauntöne. Bei schwarzen (melanistischen) Exemplaren ist das „Zickzackband“ nicht oder kaum zu erkennen, im Volksmund werden diese auch als „Höllenottern“ bezeichnet.

 Kreuzottern werden als erwachsenes Tier 50 bis 70 cm lang, in Ausnahmen auch etwas größer, wobei die Weibchen größer und kräftiger gebaut sind als die Männchen. In der Natur können sie 15-20 Jahre alt werden.

 Da sie zu den wechselwarmen Tieren gehören, legen sie sich in den ersten Wochen nach dem Winter jeden Tag viele Stunden lang in die Sonne, um ihren Körper aufzuwärmen. Wenn es die Temperaturen erlauben, verlassen sie meist im März ihre Winterquartiere. Es wurden aber schon Exemplare beim Sonnen neben dem Schnee im Februar gesichtet.

Paarung


Zwischen April und Mai beginnt dann die Paarungszeit. Dies ist auch die Zeit der ersten Häutung bei den geschlechtsreifen Männchen und Zeit der Kämpfe um die Weibchen (Kommentkampf).

Kommentkampf

Milchig, blaue Augen kurz vor der Häutung

 


 Zwischen April und Mai beginnt dann die Paarungszeit. Dies ist auch die Zeit der ersten Häutung bei den geschlechtsreifen Männchen und Zeit der Kämpfe um die Weibchen (Kommentkampf).

 

Die Kreuzotter gehört zu den lebend gebärenden (ovovivipar) Schlangen. Weibchen bringen von August bis September 4-18 Junge zur Welt. Sie werden in durchsichtigen Eihüllen abgesetzt, die sie kurz darauf verlassen. Nach ca.15 min. häuten sie sich das erste Mal. Die Anzahl der Jungtiere hängt hauptsächlich von Alter und Größe des Weibchens ab.

 

Die Kreuzotter ist ein Lauerjäger. Auf dem Speiseplan der Schlange stehen hauptsächlich Kleinsäuger wie Mäuse, aber auch Frösche, Blindschleichen und Eidechsen. Kreuzottern töten ihre Beute mit Hilfe von Gift, welches sie durch einen Biss injizieren.

 

Für den Menschen ist sie keine Gefahr! Die Tiere beißen nur äußerst selten. Wenn sie die Möglichkeit zur Flucht haben, nutzen sie diese auch. Man sollte die Schlangen jedoch immer in Ruhe lassen!“ Nur in die Enge getriebene oder gefangene Kreuzottern beißen zu. Vor dem Biss warnt die Schlange den „Angreifer“ durch lautes Zischen. Bei einem Kreuzotternbiss besteht keine Lebensgefahr. Ihr Biss ist für einen gesunden Menschen nicht tödlich, jedoch sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen (den Schlangenbiss nicht aussaugen oder ähnliches).

 

Wie alle Reptilien verbringt die Kreuzotter die kalte Jahreszeit hierzulande in Winterruhe. Dazu sucht sie meist Ende Oktober ihre Überwinterungsplätze auf. Zusammen mit Artgenossen nutzt die Schlange dafür verlassene, frostfreie Erdlöcher oder andere Hohlräume in der Erde.

 

Bei uns ist die Zahl der Tiere vielerorts stark zurückgegangen und man begegnet ihr nur noch sehr selten, da der Lebensraum durch Eingriffe des Menschen und Umwelteinflüsse immer mehr zerstört wird. Somit gilt die Kreuzotter mittlerweile als stark gefährdet!

 

Der NABU Kreisverband Gifhorn arbeitet zur Zeit unter anderem an der Wiedervernässung der abgetorften Flächen des „Großen Moores“ bei Neudorf-Platendorf und entfernt dort teilweise wieder Birken und Kiefern. Dadurch wird sich langfristig die Wasserversorgung im Moor verbessern und wertvolle Lebensräume werden wieder geschaffen. Davon profitieren schließlich nicht nur die seltene Kreuzotter, sondern alle Bewohner des Moores.

 

Alle in Deutschland vorkommenden Schlangen sowie die Blindschleiche stehen unter Naturschutz, deshalb darf man sie nicht stören, fangen oder töten.

 

Literaturquellen:

Die Kreuzotter: Wolfgang Völkl, Burkhard Thiesmeier, Hans Schiemenz

 

Reptilien und Amphibien im Großen Moor: https://www.youtube.com/watch?v=l46p3jwS054

 

Haben sie eine Kreuzotter entdeckt?

Melden Sie den Fund bitte dem NABU GF an info@nabu-gifhorn.de

Einige Farbvarianten